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![]() BIOGRAPHIE Weshalb DJ Stean keine Bookings mehr hat Fasziniert von deutschem Sprechgesang und angetrieben vom englischsprachigen Pendant, investierte ich im Sommer 1998 in mein erstes Paar Plattenspieler (dass ich davor schon hinter dem ein oder anderen DJ-Pult stand oder ein Mixtape – die Betonung liegt hier ganz deutlich auf „Tape" – in Kleinstauflage in Umlauf brachte, sei hier nur am Rande erwähnt und tut im Grunde auch nichts weiter zur Sache). Die gerade aufkeimende Hip Hop Welle spülte Techno und Dancefloor aus den Charts und mich in den Club. Zwar war das vor kommerziell geprägtem Publikum spielbare Repertoire noch sehr überschaubar, aber immerhin hatte ich bereits im Dezember desselben Jahres meinen ersten Resident-Job im Vorprogramm einer Dorfdisco im Nachbarort. Worüber ich heute nur noch verschämt grinsen würde, das war damals für mich das größte und ich war wirklich froh und sehr stolz, mein selbst ausgewähltes Vinyl vor einem – zugegeben recht übersichtlichem – Publikum präsentieren zu dürfen. Im Nachhinein kann ich nicht mehr sagen, was am Ende der ausschlaggebende Grund dafür war, dass ich immer wieder im Club stehen wollte, ob es nun das Geld, der Spaß oder die Anerkennung war, aber ich habe zeitweise sogar Bookings in Hamburger Vororten mit Berliner Vorstadtclubs kombiniert, damit sich die beiden Veranstalter die Reisekosten teilen konnten und ich preislich in der Nähe von ansässigen Hip Hop DJs lag. Nicht, um der Referenzen Willen, sondern wegen des Gefühls, mit dem eigenen Hobby – wenigstens für ein Wochenende – dem dörflichen Trott der Heimat zu entfliehen. Das war, nach dem eigenen Führerschein, eine ganz neue Dimension von Freiheit. Im Nachhinein begann ziemlich genau zu dieser Zeit auch der schwierige Spagat zwischen meiner Tätigkeit als Dienstleister und meinem Hobby, dem Auflegen von Vinyl. Damals mangelte es meinerseits nicht an Kompromissbereitschaft, wenn ich dem Publikum – und vor allem dem Veranstalter – bot, wofür man mich bezahlt hatte, dann habe ich mir auf der anderen Seite auch erlaubt, mal ein paar Tracks aus einer weniger kommerziellen Richtung in mein Set zu mischen. Somit waren am Ende eines Abends alle Glücklich: die Gäste, der Veranstalter, meine Leute und ich. Dieser Mix aus allen Facetten von dem, was man landläufig unter dem Begriff „Black Music" zusammenfasst, war mit dem zunehmenden Hip Hop Hype so erfolgreich, dass ich neben zahlreichen Bookinganfragen auch bald das Programm mehrerer Clubs als Resident gestalten durfte. Was folgte ist heute Geschichte: drei sehr erfolgreiche Jahre in der Diskothek „Rhein-Park" in Germersheim und die Opening-Party sowie die ersten Monate in der Diskothek „Airpark" in Baden-Baden. Mit zunehmender Größe der zu beschallenden Tanzflächen wurde – aufgrund der immer skurrileren Musikwünsche – auch der Spagat zwischen gutem Geschmack und kommerziell erfolgreicher Produktionen immer größer. Die DJ-Szene entwickelt sich offensichtlich immer mehr zu einer Art Abspielstation der Musikindustrie und bedient damit eine fast schon industriell anmutenden Clublandschaft (man denke nur an große Ketten mit Clubkarten, ausgeklügeltem Marketingkonzept, klarer Personalstruktur und Playlisten für Haus-DJs). Letzten Endes stand auch ich vor der Wahl, die Musik zu spielen, die man ohnehin schon die ganze Woche ununterbrochen auf MTViva, in den Klingeltoncharts und bei den einschlägigen Formatradiosendern hören konnte, oder aber die Musik zu spielen, die an den A&R Managern dieser Welt vorüber ging und trotzdem – oder gerade deshalb – alles mitbringt, was die Beine des aufgeschlossenen Clubgängers in Bewegung versetzt. Kurzum: entweder volle Clubs, hohe Gagen und mein Gesicht auf den Flyern selbsternannter In-Locations oder aber zurück in die – immer weniger werdenden – Plattenläden, überschaubares Publikum auf viel zu seltenen Parties, aber dafür am Ende einer langen Nacht die Gewissheit, dass die Menschen zu meiner Musikauswahl und nicht zu den aktuellen Top 20 getanzt haben. Keine Ahnung, ob es nun daran lag, dass ich als Deck-Shark im ehemaligen „0711 Club" im Stuttgarter „Prag" begonnen und es einfach nur meinen damaligen Vorbildern gleichgetan habe oder daran, dass sich die kommerziell erfolgreichen Interpreten immer mehr von dem entfernen, was sie eigentlich darzustellen versuchen. Vielleicht bin ich auch nur die Diskussionen mit minderjährigen Clubbesuchern satt, in denen ich mich immer wieder für meine Titelauswahl rechtfertigen muss, verzweifelt zu erklären versuche weshalb „The Pussycat Dolls" trotz Feature von Snoop Dogg für mich nicht unter die Kategorie „Hip Hop" fallen oder weshalb denn jetzt „N.W.A." anstelle von „50 Cent" läuft, obwohl sich der grimmig dreinschauende Kleinkriminelle mit Durag unter der Flexfit Cap und Strasssteinen in den Ohren doch ausdrücklich „Ey Alda, mach ma Gansta-Mucke" gewünscht hat. Klassisch ist auch die Frage, wann ich denn endlich „Hip Hop" auflegen würde, denn sie hat „Hips don't lie" noch nicht gehört, aber mehr dazu hier. Auch liegt es mir fern, meine eigene Biografie auf meiner Internetpräsenz in der dritten Person selbst zu schreiben oder mein Set komplett auf die Musik umzustellen, die gerade die vorderen Plätze der Charts belegt und mir dazu auch noch einen weiteren, passenden DJ-Namen auszudenken, damit ich authentischer wirke. Auch diese Liste ließe sich beliebig erweitern, aber ich denke, es ist klar geworden weshalb DJ Stean keine Bookings mehr hat... © Stefan Zimmermann | Friedensstr. 25 | D-76661 Philippsburg | Keine Haftung für die Inhalte externer Links
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